Kleiner geschichtlicher Überblick der ersten Reinzucht Landseer
Der Landseer wurden bereits im Jahre 1600 als "Newfoundland Dog" in England eingeführt. Von wem er aber genau abstammte ist nicht bekannt, da zu diesem Zeitpunkt noch keine Aufzeichnungen geführt wurden.
Später, ca. 1800, als der etwas kleinere schwarze "Neufundländer" in England eingeführt wurde, kreuzte man die Rassen. Vermutlich geschah das, weil beide aus Neufundland stammten.
1886 wurde der "Newfoundland Club" in England gegründet. Da es zu großen Streitereien zwischen beiden Parteien: Neufundländer- und Landseeranhängern kam wurde der Standard erst ziemlich spät niedergeschrieben, nämlich 1870. Übrigens gewann die Partei des Schwarzen (Neufundländer), weil sieredegewandter war. Daher bestand das Zuchtziel darin, beide Rassen ineinander zu verschmelzen.
Im Jahre 1893 wurde der "Neufundländer Klub für den Kontinent" gegründet. Prof. Albert Heim, prominentestes Mitglied, aus Zürich, veröffentlichte die erste Monographie zum Neufundländerhund. Er bezieht in seinem Buch eine eindeutige Stellung: "Neufundländer und Landseer sind zwei unterschiedliche Rassen." Auch Dr. Paul Träger, aus Berlin, Mitglied im oben genannten Verein als auch Züchter und Richter, veröffentlichte einen eindeutigen Bericht, nachdem er 1899 auf der großen Cruft`s Dog Show 26 Landseer und 36 Neufundländer richtete.
Der erste kontinentale Landseerwurf fiel 1902. Züchter und Besitzer war Dir. Meystie aus Vevey (Schweiz), Zwinger "von Vevey" und brachte 10 Welpen.
1905 wurden bereits 2 Landseerwürfe aus der Schweiz gemeldet, von einer bereits gedeckten, importierten Hündin und aus dem Zwinger "von Mollis". Wahrscheinlich beruht die gesamte spätere kontinentale Landseerzucht bis zum 1. Weltkrieg aus o.g. Zwingern.
Außerdem wurden immer wieder reinrassige Landseer aus England importiert. Zwischen 1902 und 1913 fielen ca. 100 Welpen aus unterschiedlichen Verpaarungen in beiden Zwingern. Die Zucht wäre somit auf eine breite Basis gestellt worden, wenn nicht der 1. Weltkrieg ausgebrochen wäre.
Beide Zwinger beendeten ihre züchterischen Aktivitäten mit Beginn des Krieges und die Zuchthunde kamen in die verschiedensten Hände. Sie und ihre Nachkommen, spielten in der Zucht auch nach Kriegsende eine große Rolle. Verschiedene Züchter versuchten weiterhin Landseer unter großen Entbehrungen und Hindernissen zu züchten.
Allgemeines Erscheinungsbild
Der Landseer soll den Eindruck eines großen, starken, harmonisch gebauten Hundes hervorrufen. Er steht, besonders was den Rüden anbetrifft, auf höheren Läufen als der schwarze Neufundländer.
Kopf
Kopfhaut ohne Falten, kurz und fein behaart. Kopfmodellierung markant geprägt, edel im Ausdruck.
Oberkopf
Schädel: Breit und massig. Der Hinterhauptschädel ist gut entwickelt.
Stop: Deutlich, jedoch nicht so steil und ausgeprägt wie beim St. Bernhardshund.
Gesichtsschädel
Nasenspiegel: Schwarz pigmentiert
Fang: Vor dem Stirnabsatz gemessen entspricht die Schnauzenlänge der Schnauzentiefe.
Lefzen: Trocken, schwarz pigmentiert; die möglichst straffe und nicht geifernde Oberlefze soll die Unterlefze leicht decken.
Backen
Die mäßig entwickelten Backen laufen allmählich in die Schnauzenpartie über.
Kiefer/Zähne: Scherengebiss
Augen: Mittelgroß, mäßig tief liegend, braun bis dunkelbraun, hellbraun darf toleriert werden; mit freundlichem Blick; Lidspalte mandelförmig; Lidbindehaut nicht sichtbar. Ausgesprochen helle Augen (schwefel- oder graugelb) sind fehlerhaft, ebenso zu enger Augenabstand.
Ohren
Mittelgroß, wenn gegen die Augen gelegt bis zum inneren Augenwinkel reichend, von dreieckiger Form, unten etwas abgerundet, hoch am Oberkopf, aber nicht zu weit hinten angesetzt und an den Kopfseiten glatt und dicht anliegend; mit feiner, kurzer Behaarung, längere Haarfransen nur am hinteren Teil der Ohrenwurzel.
Hals
Der Hals, im Querschnitt nicht ganz rund sondern leicht eiförmig, steigt muskulös und breitnackig aus der Schulter-Brust-Partie gegen den Kopf an. Bei symmetrischem Bau beträgt seine Länge vom Hinterhauptbein bis zum Widerrist ungefähr 3/4 bis 4/5 der Kopflänge vom Hinterhauptbein bis zur Nasenspitze gemessen. Ausgeprägte Kehl- und Halsschwamme sind nicht gewünscht.
Körper
Die Länge vom Widerrist zum Rutenansatz entspricht ungefähr der doppelten Kopflänge. Von den Schultern bis zur Kruppe breit und kräftig.
Rücken
Straff, gerade
Lenden
Muskulös
Kruppe
Breit, durch starke Muskelpolster seitlich und nach hinten schön abgerundet.
Brust
Zwischen den sehr muskulösen Schultern ist die Brust tief und breit mit entsprechend kräftiger Rippenwölbung des Brustkorbes.
Bauch
Wenig aufgezogen. Zwischen Bauch und Lenden soll eine flache Vertiefung der Flankengegend deutlich sichtbar sein. Schwacher Rücken, Senkrücken, schlaffe Lenden, zu kurze letzte Rippe sowie ein stark aufgezogener Bauch sind fehlerhaft
Rute
Stark, höchstens bis etwas unter das Sprunggelenk reichend, sehr dicht und buschig behaart, aber ohne eigentliche Fahne. In der Ruhe soll der Hund sie im Stand abwärts hängend tragen mit eventuell am Ende einer leichten Biegung nach oben. In der Erregung und in der Bewegung darf er sie gerade herausgestreckt mit einer leichten Biegung des Endes nach oben tragen. Verbogene oder über den Rücken geringelt getragene Ruten sind zu verwerfen.
Gliedmaßen
Vorderhand
Starke, von der Schultergegend kommende Muskelmassen umlagern den kräftigen Oberarmknochen, dem sich unter richtiger Winkelung die mächtigen Knochen des von vorne gesehen vollkommen geraden, gut bemuskelten Laufes anschließen. Der Lauf ist bis zum Sprunggelenk leicht befedert.
Ellenbogen
Sie liegen im tiefsten Teil des Brustkorbes an, stehen ziemlich hoch und sind genau nach rückwärts gerichtet
Hinterhand
Sie soll kräftig sein. Die Hinterläufe müssen durchweg frei beweglich sein und sollen starke Knochen haben, die von kräftigen Muskeln belagert sind. Die Hinterläufe sind mäßig befedert.
Oberschenkel
Besonders breit entwickelt
Afterkrallen
Sie sind zu verwerfen und sollen möglichst bald nach der Geburt entfernt werden. Kuhhessige Stellungen und Mangel an Winkelung sind Fehler.
Pfoten
Groß und gut geformt, sogenannte Katzenpfoten. Gespreizte oder nach außen gedrehte Pfoten sind zu beanstanden. Die Zehen sollen durch starke Schwimmhäute bis ziemlich weit zur Zehenspitze verbunden sein.
Gangwerk
Die Bewegung und Gangart der muskulösen Läufe ist leicht fördernd und geräumig.
Haarkleid
Haar
Die Behaarung soll mit Ausnahme des Kopfes lang, möglichst schlicht und dicht sein und bei der Berührung sich fein anfühlen. Das Deckhaar ist durchsetzt mit Unterwolle, aber nicht so dicht wie beim schwarzen Neufundländer. Leicht gewelltes Deckhaar auf dem Rücken und an den Oberschenkel ist nicht zu beanstanden. Das gegen den Strich gebürstete Haar muss von selbst wieder in die richtige Lage zurückfallen.
Farbe
Die Grundfarbe des Haares ist ein klares Weiß mit zerrissenen schwarzen Platten auf der Rumpf- und Kruppenpartie. Der Hals, die Vorderbrust, der Bauch, die Läufe und die Rute müssen weiß sein. Der Kopf ist schwarz. Als Zuchtfestigung gilt eine weiße Schnauzenpartie mit einer weißen, symmetrischen, nicht zu breiten, durchgezogenen Blesse. Noch vorkommenden Rußflecken im weißen Grund sind keine Fehler, sollen jedoch herausgezüchtet werden.
Größe
Die Schulterhöhe des Landseers darf schwanken:
Bei den Rüden: durchschnittlich zwischen 72 und 80 cm
Bei den Hündinnen: durchschnittlich zwischen 67 und 72 cm
Kleine Variationen nach unten und oben sind zu tolerieren.
Fehler
Jede Abweichung von den vorstehenden Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.